Die besten Trainer zu den Bambinis!

Oder warum Ergebnisorientierung bei den Kleinsten katastrophale Folgen hat.

Die meisten jungen Fußballer beginnen heutzutage mit vier Jahren ihre Fußballkarriere im Verein. In einer U6 oder Bambini werden die Kids dann meist von Vätern „betreut“, die sich bereiterklären, das junge Team zu trainieren. Externe Trainer, also solche, die nicht familiär mit der Mannschaft verbunden sind, gibt es in diesem Bereich noch seltener als in den älteren Jugendteams. Warum das so ist, hat Gründe. Für kaum einen ambitionierten Trainer scheint eine Bambini-Mannschaft interessant zu sein, um sich fachlich weiterzuentwickeln oder zu verwirklichen. Außerdem haben die Jüngsten bei den meisten Vereinen nicht ansatzweise den Stellenwert wie ältere Jugendmannschaften. Auch sind Aufwandsentschädigungen oftmals nach aufsteigendem Alter gestaffelt, was eine U6 noch unattraktiver macht.

Doch ist es wirklich unattraktiv, die kleinsten der Kleinen zu trainieren? Ich sage nein! Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass die besten Trainer zu den jüngsten Spielern sollten. Warum? Ganz einfach: Was die Kinder dort verpassen, können sie nie wieder aufholen.

Ein Beispiel: Beidfüßigkeit

Mittlerweile sollten sich in diesem Punkt alle Trainer einig sein: Beidfüßigkeit ist für einen ambitionierten Leistungsfußballer Pflicht. Die Grundlage dafür wird ab der Bambini gelegt, genau genommen ab der ersten Ballberührung eines Kindes.

Ein Kind, nennen wir es Paul, hat, bevor es das erste Mal einen Fußball mit dem Fuß berührt, meist eine minimale Vorliebe bzw. eine minimal bessere Koordination für/mit einen/einem der beiden Füße. Diesen wird er auch benutzen, wenn er den Ball das erste Mal passt oder dribbelt. Meist wird von den Trainern bei den Bambinis nicht darauf geachtet, eine Übung mit beiden Füßen zu machen, daher wird Paul erstmal nur den einen Fuß benutzen. Hier ist es die Aufgabe des Trainers, eine Übung mit beiden Füßen durchzuführen. Wir befinden uns im Bereich der mittlerweile überall anerkannten Trainingslehre, wer sich ein wenig engagiert, wird schnell dazu übergehen, Übungen mit beiden Füßen zu trainieren.

Das größte Problem jedoch ist nicht das Training, sondern das Spiel. Im Wettkampf verfestigen sich die Bewegungsabläufe, die ein Spieler im Training quasi „trocken“ lernt. Und an dieser Stelle werden Fehler nicht nur in Dorfvereinen, im Breitensport oder bei kleinen Klubs gemacht, sondern auch in den NLZ’s der Republik. Der Fehler liegt in der Ergebnisorientierung, beziehungsweise dem Erfolgszwang der Spieler.

Nehmen wir wieder unseren Paul. Nach dem ersten Training folgt das erste Spiel. Im schlimmsten Fall hat sich die minimale Vorliebe für einen Fuß noch stärker ausgebildet, weil im Training nicht auf Beidfüßigkeit geachtet wurde. So oder so bleibt eine minimale Präferenz. Die erste Aktion, der Ball rollt in Richtung von Pauls linkem Fuß, in diesem Fall seinem weniger präferierten Fuß. Intuitiv nimmt der den Ball aber mit links an. Leider verspringt ihm der Ball. Sein Trainer ruft ihm von außen zu, er solle sich besser konzentrieren und weniger Fehler machen, sie hätten ein Spiel zu gewinnen. In der nächsten Aktion kommt der Ball wieder auf den linken Fuß, Paul dreht sich aber so, dass er den Ball mit demrechts annehmen kann, was auch klappt. Diesmal bekommt er Lob von seinem Trainer für diese „tolle Aktion“. Im weiteren Verlauf des Spiels versucht Paul alle Aktionen mit rechts durchzuführen, weil er hier ein sicheres Gefühl hat, anders als mit links, seinem „schwachen“ Fuß.

Wenn man die Spirale weiterdenkt, zieht sie sich bis in den Seniorenbereich durch. Aus Angst vor Fehlern und genötigt durch hohen Erfolgsdruck benutzt der Spieler immer und immer wieder nur seinen starken Fuß, welcher sich logischerweise auch immer besser entwickelt. Wie ist diese Entwicklung zu stoppen? Nur durch eine Lösung: Nehmt den Kindern die Angst vor Fehlern. Oder anders gesagt: definiert Fehler anders. Der Trainer sollte seine Spieler dazu ermutigen, Aktionen richtig auszuführen, beispielsweise also den Ball gegnerfern zu führen, egal welchen Fuß das dann für Paul bedeutet. Denn erfolgreich heißt nicht gleich richtig.

Was sagt ihr dazu? Seht ihr das genauso?

5 Kommentare

  1. Demi

    Sehr guter Beitrag, den man sicherlich vertiefen kann und muss. Ich bin ganz Ihrer Meinung. ich bin in zweiter Saison Trainer in der U11, als ich anfing hatten wir gerade unsere neue E3 gegründet. Teilweise konnten die Kinder weder Ball passen noch stoppen. Deswegen plädiere ich auch für eine geeignete Grundausbildung bereits bei den Bambinis! mit dem großen Fokus Spaß!
    mfg
    Demi

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  2. Patrick

    Endlich mal auf den Punkt gebracht! Gut erklärt und verständlich aufgezeigt. Trainertypen die nur auf den Erfolg und somit auf die erfolgreichen Spieler schauen, viel loben –dabei aber nicht auf die Art und Weise achten– wie z.b. der Ball angenommen wird… „Hauptsache schnell nach vorn und Tore schießen. 4 Chancen, 2 Tore…effektive nennt man das sicherlich dann aber was haben die Kinder dabei gelernt? Tolle Meisterschaft gewonnen, und Pokalsieger…läuft… Aber spätestens wenn auf die Individualität geschaut wird und jeder Spieler der Mannschaft separat betrachtet werden kann, erkannt man die Defizite. Der schwache Spieler wird sicher ermahnt er solle den Ball besser annahmen, eher schalten, früher in die Bewegung gehen und der gleichen, lernt aber durch schlechtes coachen von der Trainerbank nichts.
    Der starke Spieler der intuitiv vieles richtig macht und 3 Tore schießt hat aber auch nicht viel davon denn auch dieser bleibt auf sein Niveau stehen und entwickelt sich nicht weiter.
    Das Problem welches der Trainer damit in seiner Mannschat provoziert ist, die Kluft zwischen stark und schwach wird immer größer…Da haben meiner Meinung zu wenig Trainer das Gespür und vllt. auch nicht das nötige Fachwissen um diesem Trend in der eigenen Mannschaft entgegen zu wirken, ferner wird dies von den meisten nicht mal erkannt.

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  3. Markus

    Ich stimme dem Artikel bei vielen Punkten zu (z.B. Beidfüßigkeit, Loben und Fehler machen dürfen). Bei zweien sehe ich das anders bzw. differenzierter.
    Die besten Trainer zu den Bambinis: wer sind denn die besten Trainer? Pep Guardiola oder Jose Mourinho sollen die Bambinis trainieren? Ich gehe davon aus, dass die Herren das wahrscheinlich auch könnten und sich mit ihrem Ehrgeiz in die Themenbereiche sensorische, motorische, soziale, biologische, kognitive und psychische Entwicklung eines Kindes einlesen bzw. einarbeiten können – auch gibt es bestimmt irgendwo einen Scheich, der das auch finanzieren würde. Aber ich glaube die wären dort nicht über längere Zeit glücklich. Ich könnte mir die bei einer D- oder C-Jugend vorstellen, weil dort könnten sie in der D-Jugend ihre technischen („Goldenes Lernalter“) und ab der C-Jugend auch ihre taktischen Fähigkeiten mit einbringen.
    Um Ergebnisorientierung auszuschalten muss ich mir einiges einfallen lassen. Kinder wollen von sich aus Spiele gewinnen, wenn am Ende ein Ergebnis stehen kann (z.B. beim Theaterspielen ist das nicht wichtig; auch beim Musizieren wäre es nicht wichtig, wenn es nicht irgendwelche Wettbewerbe gäbe). Beim Fußball zählen sie meistens mit – von sich aus (das ist zumindest meine Erfahrung). Somit hat aus meiner Sicht keine Ergebnisorientierung auch negative Konsequenzen (gegen die Natur; evtl. weniger Anstrengung -> weniger Konzentration -> geringere Fähigkeiten; warum wird bei unseren Vorbildern (Bundesliga) gezählt und bei uns nicht).
    Eine Frage die ich mir ständig stelle ist, ob Fußball in diesem Alter (bis zur Einschulung) die richtige (beste) Sportart ist oder ob hier nicht Kinderturnen (Entwicklung), Schwimmen (lebensrettend) oder Kampfsport (Körpergefühl) die besseren Alternativen sind.

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    1. DD

      Ich mache z.Zt. die Erfahrung dass kein lizenzierter Trainer die F oder E Jugend trainieren möchte. Lapidare Aussagen wie ich kann mit Kindern in diesem Alter nichts anfangen, finde ich voll daneben. Denn im Gegenteil: Der Grundstein mit Laufschuhe Technik und Koordination sollte spielend den Kindern vermittelt werden. Wie kann man den erwarten, dass Kinder ab der D- Jugend Leistung bringen soll, wenn man vorher nicht dafür gesorgt hat, dass die Spieler bereits eine solide Grundausbildung bereits in der U11 oder U9 bekommen hat. Es müssen nicht die Peps oder Josés dieser Welt die U11 trainieren, aber ein Trainer mit einer C- Lizenz sollte schon erkennen, dass die Grundausbildung bereits bei den Bambini anfängt. Wer dies nicht sieht, sollte seine Lizenz wieder zurück geben.

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  4. Markus

    Hierzu passt auch der Artikel von Gunter Dueck: http://www.omnisophie.com/dd292-die-besten-sollen-lehren-mai-2017/

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