Die offene Spielstellung – Prinzip No.1

Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass der Spieler zum Spielfeld schaut?

So einfach und selbstverständlich die Regel der offenen Spielstellung doch klingt, so häufig ist sogar bei den Profis zu beobachten, dass Bälle aufgrund der fehlenden offenen Stellung verloren werden. Selbst der DFB hat zumindest im B-Lizenz Lehrgang keinerlei Inhalte bezüglich dieses Themas. Auch sonst kommen Individualtaktiken und -Coaching in den Lehrgängen viel zu kurz, doch dazu mehr an anderer Stelle.

Was ist die offene Spielstellung?

Als offene Spielstellung bezeichnen wir die Körperhaltung eines Spielers, wenn sie sowohl in Richtung Ball, als auch in Richtung des gegnerischen Tores (bzw. der nächsten offensiven Passoption) , "offen" ist. "Offen" bedeutet hier, dass die Körpervorderseite quasi der Mitte zwischen diesen beiden Punkten zugewandt ist. Dabei hat der Spieler eine seitliche Stellung zu den beiden Punkten, dem von wo der Ball kommt, und dem wo er offensiv hingespielt werden könnte. Der Rücken des Spielers ist der näheren Außenlinie zugewandt, sodass der größere Teil des Spielfelds in seinem Blickfeld liegt. Kurz:

  1. Rücken ist der Außenlinie zugewandt.
  2. Vorderseite des Spielers steht seitlich zu Passgeber und Spielrichtung.

Die beiden Grafiken 1 und 2 dienen dem besseren Verständnis.

offene Spielstellung
offene Spielstellung Fußballtraining

Welchen Vorteil hat die offene Spielstellung?

Grundsätzlich ist der Vorteil der offenen Spielstellung recht offensichtlich, der Spieler hat einen viel größeren Bereich des Spielfelds im Blick, als wenn in geschlossener Position. Außerdem sieht er, was in Spielrichtung passiert, und kann von keinem Gegner im Rücken beim Versuch des Aufdrehens überrascht werden. 

Der Vorteil wird noch eindeutiger, wenn wir uns die folgenden beiden Bilder anschauen (Wichtig: der grüne Bereich -das Blickfeld- ist nicht als das Sichtfeld definiert, welches er ohne Kopfbewegung überblickt, sondern als das Blickfeld, das er durch Kopfbewegungen überblicken kann, ohne allerdings den Rumpf bewegen zu müssen.) :

offene Spielstellung - falschoffene Spielstellung - richtig

In geschlossener Spielstellung hat der Sechser außer dem Passgeber (Torwart) zwei weitere Anspielstationen im Blickfeld, keine davon höher (also näher am gegnerischen Tor) positioniert als er. In offener Spielstellung befinden sich außer dem Passgeber 5 weitere Mitspieler im Sichtfeld, von denen zumindest 3 klar höher positioniert sind als er. 

Bei einem Außenverteidiger wird der Unterschied noch krasser:

trainingsform (8)trainingsform (7)

Hier sieht der Außenverteidiger außer dem Passgeber vier weitere Mitspieler, davon allerdings keiner höher positioniert als er selbst. Positioniert er sich offen, hat er ausnahmslos alle Mitspieler im Blickfeld, davon sind 5 höher positioniert als er. 

Der Vorteil der offenen Spielstellung sollte deutlich geworden sein. Wichtig ist, dass die Spieler diese offene Spielstellung möglichst immer beibehalten, auch im Laufen. Schon das "Ausschwärmen" nach Ballgewinn sollte in offener Stellung erfolgen. 

Was das Training angeht: Dem Thema offene Spielstellung ist auf jeden Fall eine Theoriestunde zu widmen, sodass die Spieler verstehen was von ihnen verlangt wird und warum. Spezielle Übungen zur offenen Spielstellung könnt ihr Euch natürlich ausdenken, so oder so kommt ihr aber nicht drumherum, es in jeder Übung und jedem Spiel zu coachen. 

Bei Fragen steht die Kommentarfunktion gerne zur Verfügung. 

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