Ein Hoch auf den FC Augsburg – von Überperformern und Geldverbrennern

Überperformer

Herr Streich, bitte entschuldigen Sie das „Überperformer“, aber so sehr ich auch daran „geworked“ habe, es fiel mir kein Begriff ein, der besser passt.

 

Worum geht es hier überhaupt? Kurz, es geht um das Gefühl, was wir haben, wenn wir an die Leistungen der Bundesligavereine denken, wenn wir im Geiste bewerten, wer „gute Arbeit“ macht, und wer „schlechte Arbeit“ macht. Dabei bewerten wir immer anhand der Möglichkeiten, die ein Verein hat, vom SC Freiburg erwarten wir nicht die gleiche Platzierung wie vom FC Schalke. Ebenso wäre es vermessen, von Eintracht Frankfurt jedes Jahr den DFB-Pokaltitel zu erwarten, wobei uns beim FC Bayern das Ausbleiben des Titelgewinns überraschen würde.

Einigen Trainer wird vorgehalten, dass sie den Erfolg, den sie mit einem großen Klub haben nur deshalb erreichen, weil der Klub so reich ist. Und vieles daran ist auch richtig, denn tatsächlich ist die wirtschaftliche Größe zumindest über einen längeren Zeitraum gesehen das wohl wichtigste Vorhersagekriterium für sportlichen Erfolg. Doch dazu gleich mehr.

Wie ist also die Qualität der Arbeit zu messen? Um zu sehen, wer „viel aus seinen Möglichkeiten macht“, müssen wir also den finanziellen Aufwand in Relation zu den sportlichen Ergebnissen setzen. Wer nutzt sein Geld besser als die Konkurrenten? Simon Kuper und Stefan Szymanski haben in ihrem Buch „Soccernomics“ (überarbeitete Version von 2014) die Gehaltsaufwendungen mit dem tabellarischen Abschneiden von 40 englischen Klubs im Zeitraum von 1978 bis 1997 verglichen. Dabei fanden sie heraus, dass die Position, die ein Verein im Gehaltsranking einnimmt, zu 92% mit dem sportlichen Abschneiden in der Tabelle übereinstimmt. Selbstverständlich nicht in jeder Saison, doch im Mittel über 15-20 Jahre. In den Jahren bis 2012 bestätigten sich die Ergebnisse, weiterhin ist eine 90prozentige Korrelation vorzufinden.

Ein Verein, der hier konsequent einen Tabellenplatz einnimmt, der besser ist als es die Personalkostentabelle vorhersagen würde, macht also „gute Arbeit“, ein Verein, der schlechter ist als die Position in der Gehaltskostentabelle macht „schlechte Arbeit“.

Daten von 2014-2017

Um für die Bundesliga herauszufinden, welche Vereine welcher Kategorie zugeordnet werden können, habe ich mich mit den Daten beschäftigt. Auf sportingintelligence.com ist für jedes Jahr nach 2014 eine durchaus als realistisch einzuschätzende Aufstellung der Gehaltszahlungen verschiedenster Sportvereine zu finden. Da die Dokumente recht umfangreich sind, und zu erwarten war, dass die meisten Vereine ohnehin nicht überraschen werden, sondern nur insignifikante Abweichungen zwischen den beiden Rankings vorweisen würden, habe ich eine Auswahl an Vereinen getroffen, die meinem Gefühl der letzten Jahre entsprach. Als potenzielle Überperformer habe ich den FC Augsburg, Mainz 05 (beide Bundesliga), Tottenham Hotspur, den FC Southampton (Premier League) und Athletic Bilbao (LaLiga). Außerdem stand Freiburg auf der Liste, allerdings sind die Daten durch den Abstieg ein wenig verfälscht, ein Aufsteiger hat meistens im ersten Jahr unabhängig vom Potenzial bzw. der Leistung der Spieler niedrigere Ausgaben, die erst dann steigen, wenn die Spieler auch in der ersten Liga funktionieren. Als potenzielle Geldverbrenner habe ich den VfL Wolfsburg, den Hamburger SV und Schalke 04 (alle Bundesliga), Manchester United, den FC Everton (beide Premier League) sowie den FC Valencia (LaLiga) ins Auge gefasst. Dies alles sind Vereine (ausgenommen wie erwähnt der SC Freiburg), die während des Untersuchungszeitraumes nicht abgestiegen sind.

Logischerweise existieren noch keine Daten für das Jahr 2018. Zu Berücksichtigen ist außerdem der Unterschied zwischen dem Geschäftsjahr der Vereine, welches sich nach dem Kalenderjahr richtet, und der Saison von Juli bis Juni. Die Daten des Kalenderjahres, in dem die Saison beginnt, geben aber sehr gut Aufschluss über die Saison, da das Budget ja vor der Saison kalkuliert wird.

Die Methode

Aus den von sportingintelligence bereitgestellten Daten habe ich nun für die vier Jahre jeweils Gehaltstabellen der Ligen erstellt. Diese beruhen aber nicht auf den Gesamtgehaltskosten, sondern auf dem durchschnittlichen Gehalt pro Spieler. Dies gibt die Spielerqualität genauer wider und ist unabhängig von der Kadergröße. Selbstverständlich gibt es auch hier Ausnahmen, doch grundsätzlich verdient ein Spieler mehr, je besser er ist.

Nun habe ich die durchschnittliche Position im Gehaltsranking für alle vier Jahre ausgerechnet (siehe Tabelle A1) und mit der durchschnittlichen Tabellenposition (siehe Tabelle A2) verglichen. Das Ergebnis zeigt Tabelle A3.

Überperformer average rank

Tabelle A1

Überperformer average rank table

Tabelle A2

Tabelle A3 stellt die Abweichung des sportlichen Abschneidens von der Position im Gehaltsranking dar. Hier sehen wir, dass mein Gefühl mich einzig bei Athletic Bilbao getäuscht hat, dafür aber ordentlich. Im Nachhinein wäre ein möglicher Erklärungsansatz, dass Bilbao seinen Spielern deshalb so viel Gehalt zahlt, weil es aufgrund der „Nur Basken“ Statuten des Klubs schwieriger ist Ersatz zu finden als für andere Vereine. Es ist ohnehin ein kleines Wunder, dass sich aus nur 2,7 Millionen Basken (laut Wikipedia) Jahr für Jahr ein spanisches Erstligateam rekrutieren lässt, das um die internationalen Plätze mitspielt, sieht man vom Ausreißer in der letzten Saison ab. Wer dazu mehr wissen möchte: „The European Game“ von Daniel Fieldsend beschreibt nicht nur das baskische Wunder.

Zurück zum Thema: Der wohl größte Überperformer ist der FC Augsburg. Über 5 Plätze besser als das Gehaltsniveau es voraussagt, würde ich als ein Zeichen dafür deuten, dass sie dort wissen, wie mit den Mitteln zu haushalten ist. Fast noch beeindruckender allerdings die Performance des FC Southampton im Haifischbecken Premier League. Die Daten für den SC Freiburg sind wie erwähnt mit Vorsicht zu genießen.

Überperformer gap

Tabelle A3

Da es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, werde ich nicht weiter auf mögliche Begründungen für den Erfolg dieser Teams eingehen, sondern mich weiter an die Fakten halten. Und die führen uns zu potenziellen Geldverbrennern.

Unterperformer average rank salary

Tabelle B1

Unterperformer average rank table

Tabelle B2

Hier wird auf den ersten Blick klar: der ein oder andere Verein hat die Ressourcen nicht ganz so gut genutzt. Insbesondere beim VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV bestätigen die Zahlen das Gefühl, dass wohl jeder Fan in den letzten Jahren hatte: Hier wird nicht effizient gearbeitet. Aber auch hier habe ich mich einmal geirrt, der FC Everton entspricht mit dem Wert von -0,25 ziemlich genau der prognostizierten Position.

Unterperformer average gap

Tabelle B3

Was sagt uns das Ganze jetzt? Nichts weiter, als dass einige Vereine in den letzten Jahren ihr Geld signifikant schlechter investiert haben als andere. Das kann unterschiedliche Gründe haben wie Überbezahlung durchschnittlicher Profis wie es mir spontan beim VfL Wolfsburg in den Sinn käme, oder Trainerwechsel én masse, wie wir es beim Hamburger SV erleben.

Gerne könnt ihr Euch an der Diskussion beteiligen und Eure Vermutungen unten in die Kommentare schreiben.

 

Literatur, auf die ich mich bezogen habe, oder die mich inspiriert hat:

Anderson, C. & Sally, D. (2014): Die Wahrheit liegt auf dem Platz, Hamburg: Rowohlt.

Biermann, C. (2018): Matchplan, Köln: Kiepenheuer & Witsch.

Fieldsend, D. (2017): The European Game, Edinburgh: Arena Sport.

Kuper, S. & Szymanski, S. (2014): Soccernomics, London: HarperSport.

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